Mind the Brain! Symposium on Neuroscience in Society

“Critical Neuroscience” Konferenz an der Berlin School of Mind and Brain

Mind the Brain!

Von Isabelle Bareither, Felix Hasler und Anna Strasser

Alles prima, alles bestens. Noch vor wenigen Jahren waren sich Fachwelt, Öffentlichkeit und Medien weitgehend einig, dass die Neurowissenschaften auf Erfolgskurs sind. Es schien nur eine Frage der Zeit, bis die „Neuen Wissenschaften des Gehirns“ mit ihrer High-Tech-Forschung die Geheimnisse des Menschseins auf naturwissenschaftlich fundierter Grundlage beantworten könnten. Besonders der Boom der Bildgebenden Verfahren beflügelte die Sichtweise, auch psychische Störungen, kriminelles Verhalten, ökonomische Entscheidungen oder spirituelle Erfahrungen könnten schon in absehbarer Zeit als biologische Phänomene gedeutet und erklärt werden. Heute ist der Optimismus verflogen und die Neurowissenschaften befinden sich zunehmend im Kreuzfeuer der Kritik. In einer Vielzahl von Büchern, Medienberichten und an wissenschaftlichen Konferenzen artikuliert sich gerade ein breit abgestützter Neurowissenschafts-Skeptizismus. Ungerechtfertigte Erklärungsansprüche jenseits des eigenen Fachs, schlechte Forschung, Überverkaufen der Daten, reduktionistische Banalisierung komplexer Probleme, unhaltbare Zukunftsversprechung und fehlende Praxisrelevanz, so die Hauptkritik der Neuroskeptiker. Erwartbar wurden die Verfechter einer kritischen Neurowissenschaft ihrerseits bereits wieder kritisiert: Die Anschuldigungen an das Fach seien pauschal, unfair und überzogen, nicht auf das notwendige Fachwissen abgestützt und würden letztlich den wissenschaftlichen Fortschritt behindern.

Die Zeit scheint reif, eine Versöhnung der widersprechenden Stimmen zu versuchen. So geschehen Ende November letzten Jahres an der Konferenz Mind the Brain – Neuroscience in Society, abgehalten an der Berlin School of Mind and Brain der Humboldt Universität zu Berlin. Ein ambitionierter Versuch praktisch gelebter Interdisziplinarität – an der Fachtagung nahmen mehr als siebzig Neurowissenschaftler, Anthropologen, Psychologen, Wissenschaftshistoriker, Sozialwissenschaftler, Mediziner, Journalisten und Philosophen teil.

Interdisziplinäre Forschung und seine real existierenden Grenzen waren denn auch ein wichtiges Thema der Tagung. Wir erinnern uns: Gegen Ende der 1990er Jahre tauchten die Schlagworte „Inter-„ und „Transdiziplinarität“ plötzlich in allen erdenklichen Kontexten auf. Es mehrte sich das Bedürfnis, aus dem engen Korsett des eigenen Faches ausbrechen und wieder das große Ganze im Blick zu haben. Das ist nicht selbstverständlich, denn die Zeiten großer Universalgelehrter à la Leibnitz sind lange vorbei – und werden auch nicht mehr kommen. Über lange Zeit war es doch gerade diese Spezialisierung auf immer kleinere Untersuchungsfelder, die als wissenschaftliche Tugend kultiviert und als unvermeidliche Reaktion auf den enormen Wissenszuwachs propagiert wurde. Fernando Vidal, Wissenschaftshistoriker an der Catalan Institution for Research and Advanced Studies in Barcelona weist darauf hin, dass die zeitgenössischen Neurowissenschaften durch die Integration von Biologie, Computerwissenschaften, Medizin und anderen Wissenschaftszweigen bereits zu einer „postdisziplinären“ Unternehmung geworden seien. Die versuchte Hybridisierung mit den Sozial- und Geisteswissenschaften sei dagegen deutlich weniger erfolgreich. Nicht selten hätte einfach eine „Neurologisierung“ des anderen Faches statt gefunden, ohne dass aus der Kooperation wirklich neuartiges Wissen entstanden sei.

Nicolas Langlitz berichtet von eigenen Erfahrungen mit der Interdisziplinarität. Langlitz kennt sich mit dem Überschreiten von Fachgrenzen aus, schließlich hat er seine berufliche Laufbahn als Mediziner begonnen und ist zwischenzeitlich Professor für Kulturanthropologie an der New Yorker New School of Social Research. Langlitz hatte die Gelegenheit, als einziger Sozialwissenschaftler das Projekt „European Platform for Life Sciences, Mind Sciences, and the Humanities“ der Volkswagenstiftung zu begleiten. Das 2005 vom Philosophen Thomas Metzinger angeregte Projekt sollte eine neue Generation von jungen Wissenschaftlern und Philosophen hervorbringen, die sich in verschiedenen Disziplinen genuin zu Hause fühlen. Die Projektleitung der VW-Stiftung hatte sich eher eine Hybridisierung, als einfach eine interdisziplinäre Arbeitsteilung erhofft. Aber schon beim ersten gemeinsamen Workshop sei klar geworden, so Langlitz, dass „zwar alle an den Fördermitteln interessiert waren, aber was genau sollen wir eigentlich von einander wollen?“ Interdisziplinarität sei in diesem Kontext auch Mittel zum Zweck geworden: „Anstatt geteilte Probleme zu lösen, suchten wir nach Problemen, die wir teilten“. Kein Wunder, sieht sich Langlitz heute selbst als „verunsicherten Freund der Interdisziplinarität“ („troubled interdisciplinarian“). Der Anthropologe kommt zum Schluss, dass Interdisziplinarität genau dann wirklich produktiv sei, wenn es ein bestehendes Problem gibt, das man nicht alleine lösen kann und für das man gezielt Partner aus anderen Disziplinen sucht. Interdisziplinarität sei nun einmal kein Wert an und für sich.

Dass die wissenschaftskritische Tagung in der Hauptstadt statt fand, ist kein Zufall. Berlin ist in den letzten Jahren zum Hot Spot einer kritisch reflektierten Neurowissenschaft geworden. Vor etwa sechs Jahren, mitten auf dem Höhepunkt der kollektiven Neurowissenschaftseuphorie begannen Wissenschaftler und Philosophen verschiedener Berliner Institutionen (Freie Universität, Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte, Humboldt Universität), sich im Netzwerk der „Critical Neuroscience“ zu organisieren. Philosoph Jan Slaby – einer der Begründer der „Critical Neuroscience“ und Daniel Margulies, zwischenzeitlich am Leipziger Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften tätiger Neurowissenschaftler, waren auch an der Konferenz. Slaby und Margulies weisen darauf hin, dass die Neurowissenschaften immer auch aus einer globalen politisch-ökonomischen Perspektive betrachtet werden müssen. Eine wirkliche „Critical Neuroscience“ könne nie neutral, unpolitisch und rein pragmatisch sein. „Die Neurowissenschaften tragen – oft unfreiwillig – dazu bei, dass ein bestimmtes Bild des Menschsein, des Lebens in der Gegenwart, als naturgegeben und selbstverständlich betrachtet wird, während Alternativen dazu gar nicht ins Blickfeld rücken“, so Jan Slaby. Und es seien eben die politischen und sozialen Kontexte, die vorgeben, welche Art von Forschung überhaupt gefördert wird und wie wissenschaftliche Ergebnisse formuliert und in der Öffentlichkeit kommuniziert werden. Gerade bei dieser politisch-ökonomischen Kritik zeigte sich an der Konferenz, dass viele junge Neurowissenschaftler eine noch stärkere und noch politischere Positionierung fordern, als sie von gestandenen Kritikern wie Jan Slaby formuliert werden. Was wiederum deutlich macht, dass wichtige Impulse für die anstehende Reform neurowissenschaftlicher Praxis schon jetzt von Innen heraus, also von den Hirnforschern selbst ausgehen.

Aus dem Lager der Hirnforscher und Ärzte kam auch ganz spezifische und praxisrelevante Methodenkritik. Ulrich Dirnagl warnte in seinem Vortrag zur Qualität neurowissenschaftlicher Forschung vor einem „gefährlichen Cocktail“, der zur Zeit in den Neurowissenschaften und den biomedizinischen Wissenschaften gemixt werde. Nicht die großen Fälschungsskandale seien das eigentliche Problem, sondern die schlechte wissenschaftliche Praxis. „Die Skandale sind nur die Spitze des Eisbergs, und sie stehen auf etwas viel Größerem“, so der Professor für Neurologie an der Berliner Charité. Und so sieht dieser Berg aus: von allen durchgeführten wissenschaftlichen Studien werden in Fachzeitschriften nur die positiven, möglichst spektakulären Ergebnisse veröffentlicht. Dies führt zu einer dramatischen Verzerrung der Ergebnisse. Hinzu kommt, dass die statistische Aussagekraft in diesen Studien oft geradezu lächerlich klein ist. Ein einzelnes Studienergebnis kann durch puren Zufall entstanden sein. Erst nach mehreren Wiederholungen der Experimente mit ähnlich lautendem Resultat – der Replikation der Studien – kann ein wissenschaftlicher Befund als halbwegs gesichert gelten. Doch Replikationsversuche werden nur selten unternommen, da sie keine wissenschaftlichen Meriten versprechen. Und wenn sie durchgeführt werden, scheitern sie häufig. Und Studien mit negativem Ausgang – auch nicht erfolgreiche Replikationsstudien – sind kaum zu publizieren.

Ähnlich Beunruhigendes hat auch Gerd Antes zu berichten. Der Direktor des Deutschen Cochrane Zentrums in Freiburg setzt sich schon seit Jahren für die evidenzbasierte Medizin ein. „Das Problem ist viel größer als die Meisten realisieren“, sagt er und erklärt, dass fünfzig Prozent aller klinischen Studien nicht veröffentlicht werden. Ein scheinbar universeller Sachverhalt. Egal, welches Land man anschaue, ob große oder kleine Studien, ob sie von der Pharmazeutischen Industrie finanziert werden oder aus öffentlicher Hand – immer landet die Hälfte aller registrierten Studien in der Schublade. „Die ‚Freiheit der Wissenschaft’ wird oft interpretiert als ‚Freiheit, nicht zu publizieren’“, so der Biometriker. Die meisten dieser nicht publizierten Studien haben, davon ist auszugehen, ein negatives oder zumindest uneindeutiges Ergebnis. Nur die positiven Studienergebnisse schaffen es in die wissenschaftlichen Zeitschriften und finden damit Eingang in den Kanon des medizinischen Wissens. Dies ist der klassische Mechanismus der positiven Publikations-Verzerrung. „Hundert Milliarden Euro werden jährlich weltweit für Forschung ausgegeben. Der finanzielle Verlust lässt sich leicht kalkulieren“, so Antes. Doch viel schwerer noch wiegt eine andere Gefahr: „Aufgrund der daraus folgenden Missinformationen können Patienten unnötig leiden oder sterben“, warnt Antes. Und wer ist dann Schuld daran? Wissenschaftler und Ärzte, Industrie, Regierung, Universitäten, Ethik-Kommissionen oder wissenschaftliche Verlage – „jeder zeigt mit dem Finger auf den anderen“, sagt Antes.

Eine Einschätzung, die auch Charité-Neurologe Dirnagl bestätigt: „Wir ertrinken in falsch positiven Resultaten“, sagt er. „Wir haben über 95 Prozent falsch positive Resultate. Das hört sich an wie ein Witz. Aber es ist wahr.“ Als wichtigster Grund führt Dirnagl an, dass noch immer regelmäßig die grundlegendsten Standards der „guten wissenschaftlichen Praxis (GWP)“ missachtet werden. Soll etwa ein neues Medikament geprüft werden, so gehören Randomisierung (zufällige Zuteilung der Probanden zu den Studiengruppen), Doppelblind-Design und Vergleich der Testsubstanz gegen Placebo eigentlich längst zu den Mindest-Qualitätsstandards. Doch diese Mindestanforderungen würden oft nicht eingehalten, so Dirnagl. Dadurch würden die positiven Befunde vieler klinischer Studien überschätzt und Ergebnisse publiziert, die unter Einhaltung aller GWP-Standards gar nie zustande gekommen wären. Außerdem sei die „Validität“ der Studien niedrig, sagt der Neurologe und gibt ein Beispiel aus der Schlaganfall-Forschung. In präklinischen Studien werden Medikamente häufig an Mäusen getestet. Meist junge, männliche Tiere, isoliert aufgewachsen und alle mit dem gleichen normierten Futter ernährt. Dagegen sind die echten Schlaganfall-Patienten in der Regel ältere Menschen mit verschiedenen Grunderkrankungen, die mit den verschiedensten Medikamenten behandelt werden. Wenn Studien auf solch elementaren Unterschieden gegründet sind, haben sie typischerweise eine niedrige externe Validität. Und das sei meistens der Fall, so Dirnagl.

Ganz zu Recht lässt sich einwenden, dass schlechte Forschung und die Nichtbeachtung wissenschaftlicher Standards überall vorkomme und überhaupt kein Spezifikum der Neurowissenschaften darstelle. Doch gerade in der Hirnforschung scheint das Problem besonders ausgeprägt zu sein. Neurologe Dirnagl verweist auf die Publikation von Mit-Konferenzteilnehmerin Katherine Button von der Universität Bristol, erschienen 2013 in Nature Reviews Neuroscience. In dieser viel beachteten Metaanalyse neurowissenschaftlicher Studien (Genetik, Tiermodelle und Neuroimaging) wird dargelegt, dass die durchschnittliche statistische Aussagekraft (Power) veröffentlichter neurowissenschaftlicher Studien bei rund 20 Prozent liegt. Erst bei einer statistischen Power von mehr als 80 Prozent könnte man aber von einem robusten, belastbaren Effekt sprechen. „Auch das hört sich an wie ein Witz“, sagt Dirnagl. Er lacht nicht.

Dass viele wissenschaftliche Studien schlicht und einfach falsch sind, schreibt auch der auf der Tagung viel zitierte John P.A. Ioannidis im Fachblatt PLOS Medicine. In er öffentlichen Wahrnehmung kommt dieses Problem aber kaum an. „Viele der neurowissenschaftlichen Behauptungen werden in den Medien voreilig, überzogen und/oder ganz einfach falsch dargestellt“, sagt die Journalistin und Direktorin der Wissenschaftsjournalismus-Schule der City University London, Connie St Louis. Das Gehirn werde häufig als eine Art von Kapital dargestellt, das es zu optimieren gilt, oder als Index von Unterschieden – wie Geschlecht oder psychiatrische Störungen. Gerne würden Gehirnstudien auch als biologischer Beweis für die unterschiedlichsten Behauptungen missbraucht. Bestimmte Glaubenspraktiken oder spirituelle Erfahrungen würden mit funktioneller Magnetresonanztomographie untersucht, die Bilder veröffentlicht und damit der scheinbar naturwissenschaftliche Beweis ihrer Existenz erbracht, sagt sie. „Und ich meine das keineswegs zynisch“. Auch die Legionen von PR-Wissenschaftsberatern würden den Prozess der öffentlichen Darstellung wissenschaftlicher Ergebnisse beeinflussen. Wissenschaftler selbst wüssten oft gar nicht, wie die Pressereferenten ihre Forschung darstellen – nämlich meist in einem viel zu guten Licht. Connie St Louis würde sich wünschen, dass Wissenschaftler kritischer mit den eigenen Ergebnissen umgehen. Fehler beispielsweise sollten offen zugegeben werden. Doch dies sei in der Praxis kaum der Fall. „Die implizite Abmachung innerhalb der Wissenschaft ist: Ich stelle dich nicht infrage, und du stellst mich nicht infrage“, sagt Nick Brown, einer der Tagungsteilnehmer. „Wir sind schließlich alle Kollegen. Daher ist die Chance, erwischt zu werden, homöopathisch klein“.

„Was wir bräuchten ist eine Theorie des Gehirns oder wenigstens gute Methoden, um die Datenmengen zu reduzieren und zu verstehen, was abläuft“, konstatiert Henrik Walter, Fakultätsmitglied an der Berlin School of Mind and Brain und Psychiater an der Charité. Walter spricht in seinem Vortrag über neue Forschungsansätze in der Hirnforschung . Noch gäbe es zu viele Daten, aber zu wenig theoretische Arbeiten.

Theoretische Konzepte seien zwar da, würden bislang aber eher als eine Art unverbindliche „Anregung“ gesehen, fügt Felix Tretter an. Der österreichische Psychiater mit Doktortiteln in drei Fächern fordert mehr Reflektion in den Neurowissenschaften, mehr theoretische Einbindung. Und woran es ganz besonders fehle, sei eine Fundierung der Neurowissenschaften durch eine systemische Methodologie.

Sieht man sich die an der Tagung identifizierten Kritikpunkte und entsprechenden Lösungsvorschläge an, so wird der informierte Leser zu Recht sagen: Das meiste ist nicht neu. Viele dieser Sachverhalte besprechen wir schon seit geraumer Zeit. Offenbar mangelt es also weniger an Ideen zur Verbesserung neurowissenschaftlicher Forschungspraxis, als an deren Umsetzung. Warum passiert so wenig Veränderung, wenn man sich über deren Notwendigkeit doch weitgehend einig ist und auch ganz konkrete Vorschläge bestehen? Wahrscheinlich ist die Antwort im bereits erwähnten politisch-ökonomischen Umfeld zu suchen, in dem auch – oder in besonderem Masse – die Neurowissenschaften eingebunden sind. In diesem komplexen Netzwerk sind aber auch einflussreiche Akteure eingebunden, die allein von sich aus Veränderungen anstossen könnten. Grosse Förderorganisationen wie die Deutsche Forschungsgemeinschaft könnten neue Kriterien zur Beurteilung der wissenschaftlichen Leistung von Forschern und der Qualität von Studienanträgen einführen. Fachzeitschriften könnten ihren Peer-Reviewing Prozess transparenter gestalten oder die Publikation von Replikationsstudien aktiv fördern.

Verbesserungen der Forschungspraxis können – und müssen – aber auch von den Neurowissenschaftlern selbst ausgehen. Mitorganisator Arno Villringer, Co-Direktor der Berlin School of Mind and Brain und Direktor der Abteilung Neurologie des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften stimmt zu, dass die momentane Lage schwierig ist. Aber er bleibt optimistisch. „Wir sollten nun anfangen, die Lage selbst zu verbessern“, versucht er die Teilnehmer zu motivieren. Gemeinsam mit Ulrich Dirnagl will er in seinen Arbeitsgruppen in Berlin und Leipzig ganz praktische Veränderungen anstoen. Die beiden Neurologen wollen verbindliche wissenschaftliche Standards entwerfen, denen sie sich freiwillig selbst unterstellen und die durch andere Wissenschaftler regelmäßig überprüft werden. „Da es keine theoretischen, moralischen oder ethischen Standards von oben gibt (top-down), werden wir sie uns von unten (bottom-up) selbst auferlegen.“

Und Philosoph und Psychiater Henrik Walter, selbst bisweilen schon zwischen die ideologischen Fronten geraten, findet am Ende der Tagung versöhnliche Worte: „Die kritischen Neurowissenschaften sollten nicht als Feind gesehen werden. Wenn wir, wie hier auf dieser Tagung, die Dinge beim Namen nennen, dann ändert sich doch schon etwas.“

Literaturhinweise

Button, K.S. et al.: Power Failure: Why small sample size undermines the reliability of neuroscience. In: Nature Neuroscience, 2013, Volume 14.

Ioannidis JPA (2005) Why Most Published Research Findings Are False. PLoS Med 2(8): e124.

How science goes wrong. The Economist. 2013.

Des Fitzgerald and Felicity Callard: Social Science and Neuroscience beyond Interdisciplinarity: Experimental Entanglements. In: Theory, Culture & Society

Suparna Choudhury, Jan Slaby: Critical Neuroscience: A Handbook of the Social and Cultural Contexts of Neuroscience. In: Wiley-Blackwell.

Gerd Antes (Herausgeber): Wo ist der Beweis?: Plädoyer für eine evidenzbasierte Medizin. Verlag Hans Huber

© neuro culture lab

Auszugsweise publiziert in Gehirn & Geist 2: 45-49 (2015)

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